FRAUENTAG

„FRAUEN.MACHT.ZUKUNFT"

Dieses Jahr ist alles anders. Eigentlich hatten wir unseren sechsten Frauentag im Juni als dreitägige Veranstaltung mit vielen Gästen und Besucherinnen geplant. Doch die Corona-Pandemie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun werden wir am 14. November einen rein virtuellen Frauentag erleben und das aus gutem Grund.

 © Helge Krückeberg

Pressefoto Karin Erhard

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in der letzten Zeit nicht nur in Deutschland, sondern ganz Europa sprunghaft angestiegen und es sieht nicht so aus, als würde sich das in näherer Zukunft ändern. Das beweist: Unsere bereits vor einigen Wochen getroffene Entscheidung, unseren Frauentag ins Netz zu verlegen, war goldrichtig.

Wir gehen damit neue, spannende Wege und haben ein kompaktes, ein intensives Programm mit vielen tollen Gästen für Euch zusammengestellt. Und die virtuelle Veranstaltungsform hat auch einen Vorteil: Mit dieser modernen Form der Beteiligung können wir eine viel größere Reichweite erzielen als sonst üblich. Über die digitalen Kanäle wie YouTube und unsere Webseite können sich alle, die sich für die Themen und Referent*innen unseres Frauentags interessieren, live dazuschalten. Und wir haben tolle Gäste an Bord, dabei sind unter anderem Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des DGB, die Professorin Bettina Kohlrausch, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), und Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Wir haben zusammen einiges geschafft in den letzten Jahren: So ist es uns gelungen, 40 weitere Unternehmen zu gewinnen, die mit uns die Charta der Gleichstellung unterschrieben haben – trotz aller Widerstände. Unser gemeinsamer Einsatz dafür hat sich also gelohnt. Außerdem haben wir mit Hochdruck unsere Offensive Frauen weiterentwickelt, unter anderem mit der Analyse der Arbeits- und Lebenswirklichkeit von hochqualifizierten Frauen.

Damit endet unsere Arbeit aber noch lange nicht, deshalb haben wir auf dem diesjährigen Frauentag drei Botschaften auf der Agenda, um uns weiter nach vorne zu bringen.

Die erste Botschaft lautet Partnerschaftlichkeit: In den letzten Jahrzehnten hat sich zwar einiges verändert im Verhältnis der Geschlechter zueinander. Aber während Corona-Krise mit all ihren Auswirkungen – wie wochenlange Schulschließungen und Homeschooling, der Wegfall der Kinderbetreuung – konnten wir eine ungute Entwicklung beobachten. Wie Bettina Kohlrausch in ihrer WSI-Studie „Corona trifft Frauen doppelt – weniger Erwerbsarbeit und mehr Sorgearbeit“ herausgefunden hat, führte die Pandemie zu einer Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse. Dabei dürfen wir nicht tatenlos zusehen und müssen mit noch mehr Nachdruck unsere Ziele verfolgen.

Neben einer betrieblichen Realisierung von Partnerschaftlichkeit ist auch die Weiterentwicklung der lebensphasenorientierten Arbeitszeit erforderlich, dazu brauchen wir bessere Instrumente zur Vereinbarkeit etwa von Homeoffice und mobiler Arbeit. Dazu hören wir einen Beitrag von Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Leider ist der Gesetzesentwurf zu mobiler Arbeit erstmal vom Tisch. Am Thema bleiben wir dran.  Und in den Betrieben wird Homeoffice und mobile Arbeit faktisch umgesetzt. Wir müssen dabei darauf achten, dass auch im Homeoffice gute Rahmenbedingungen für unsere Beschäftigten gelten, damit der Arbeitsschutz nicht vergessen wird und die Arbeitszeit nicht grenzenlos ausufert. Es muss verbindliche Regeln für die Arbeit am heimischen Schreibtisch geben.

Unsere zweite Botschaft bezieht sich auf Frauen in Führungspositionen: Wir brauchen mehr Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten, eine Novellierung des entsprechenden Gesetzes ist bereits im Gang – und auch dringend notwendig. Wie wir in den letzten Jahren beobachten konnten, entziehen sich immer noch zu viele Unternehmen ihrer Verantwortung und nutzen die bisherige Freiwilligkeit oftmals dazu, sich eine Zielgröße von null Prozent Frauen im Vorstand zu setzen.  Das beweist: Freiwilligkeit führt nicht zum nötigen Veränderungsdruck auf die Unternehmen, die sich bisher elegant zurückgelehnt haben.  Das kann so nicht weitergehen, deswegen müssen wir den Druck weiterhin hochhalten. Wir freuen uns, zu diesem Thema mit Juliane Seifert, Staatsekretärin im BMFSFJ, ins Gespräch zu kommen. Annegret Kram-Karrenbauer, die Vorsitzende der CDU, wird diesen Programmpunkt mit einem Statement zu der Quote in der CDU bereichern. Die IG BCE selbst befindet sich da auf bereits einem guten Weg: Im geschäftsführenden Hauptvorstand (gHV) sind 40 Prozent der Mitglieder weiblich, in den Landesleitungen 38 Prozent.

Dennoch – und da kommen wir zur dritten Botschaft – brauchen wir mehr Frauen in der IG BCE, in der Mitgliedschaft, natürlich in der Führung, aber auch in ehrenamtlichen Funktionen. Da haben wir schon vieles auf den Weg gebracht, etwa mit unserer Offensive Frauen, dem Frauenkolleg und dem Mentoring-Programm Nordrhein. Dennoch ist da noch Luft nach oben, wir müssen lernen, vor allem junge Frauen noch besser anzusprechen und für unsere Sache zu gewinnen. Entsprechende Formate sind in der Planung. Über das Thema werden wir live mit Michael Vassiliadis diskutieren.

Mitreden können dabei alle, die sich für das Thema interessieren – wie überhaupt sich bei diesem Frauentag jede und jeder dazuschalten kann, die oder der mag. Über die Chatfunktion ist die Beteiligung für alle möglich. Das ist das positive an unserem virtuellen Frauentag. Leider können wir uns zwar nicht persönlich treffen – dafür können wir über die digitalen Kanäle so viele Menschen erreichen wie noch nie. Das ist auch eine Einladung an Euch alle: Schaltet Euch dazu, redet und diskutiert mit uns. Damit wir unser Motto „Frauen.Macht.Zukunft“  noch besser mit Leben füllen können.

Es wird ein Frauentag werden, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat – ein spannendes, neues Format, das uns viele Möglichkeiten bietet. Anders, als wir es uns gewünscht haben. Aber wir machen natürlich das Beste daraus!

Eure Karin Erhard

Und hier geht’s zum Frauentag.

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